Chroniken von Chaos und Ordnung – Thorn Gandir (J.H. Praßl)

Inhalt (Lovelybooks):

Amalea im Jahre 340 nGF, fünfhundert und sechzig Jahre nach dem Höhepunkt der Chaosherrschaft:

„Die Zeit der Dunkelheit ist vorüber. Die Völker Amaleas sind im Begriff, die Welt von den letzten Chaosanhängern zu befreien und den Göttern der Ordnung zu neuer Macht zu verhelfen …“

Thorn Gandir, Waldläufer und Krieger, verliert während der Sklavenaufstände im Einsatz für den Senatsvorsitzenden Antonius Virgil Testaceus alles, was je Bedeutung für ihn hatte. Trotzdem lässt er sich dazu hinreißen, für seinen machthungrigen Mäzen Valians Zepter zu finden, das Gerüchten zufolge von einem mächtigen Feind des Imperiums entwendet wurde. Begleitet von der Söldnerin Chara Viola Lukullus, dem Kriegspriester Telos Malakin und dem Barbaren Bargh Barrowsøn macht er sich auf die gefährliche Reise durch die aschranische Wüste. Doch Thorn kann sich nicht sicher sein, wer Freund oder Feind ist … und welche Rolle er selbst dabei spielt, denn das Chaos ist gerade erst dabei, aus dem Verborgenen ans Licht zu treten.

Zwerge und Elfen, Orks, Kentauren, Thanatanen, Menschen. Götter und Dämonen beleben die fantastische Welt Amalea. Ausgehend vom römisch-antik anmutenden Valianischen Imperium decken Thorn und seine Mitstreiter nach und nach das verlorene Wissen um die Alte Welt auf. Während die Mächte des Chaos und der Ordnung um die Vorherrschaft ringen, stehen die Helden dieser Geschichte einer uralten finsteren Macht gegenüber. Um Amalea vor dem Untergang zu bewahren, müssen sie die Grenzen der bekannten Welt überschreiten. Dabei wandeln sie auf dem schmalen Grat zwischen Gut und Böse.

Die Zukunft Amaleas hängt von ihrer Entscheidung ab – Chaos oder Ordnung?

Bewertung 5 von 5 Sternen:

Herzlichen Dank an den Acabus Verlag für das Rezensionsexemplar! Achtung: einige Spoiler vorhanden.

In diesem Fall fange ich mal mit dem Beiwerk an – denn ich denke es ist in diesem Epos von nicht allzu geringer Bedeutung.  Es sind 2 Karten enthalten – eine bildet die Fantasy-Welt Amalea 340 nach Gründung Fiorinde ab, die andere Karte wiederum den entsprechenden Ausschnitt des Kontinents Amina. Diese Karten sehen einfach schon toll aus und sind sehr hilfreich bei der Orientierung.

Am Ende des Buches befindet sich ein Register mit Personen, Orten, Göttern, Völkern bis hin zu Maßeinheiten und der Zeitrechnung in Amalea. Und wer noch mehr möchte kann auf einer unglaublich umfangreichen Homepage in den kompletten Personenbeschreibungen mit Vorgeschichte, Karten u.v.m. stöbern. Diese Informationen sind jedoch nicht vonnöten um das Buch zu lesen. Wer mag hat dort die Möglichkeit einfach noch mehr zu erfahren. Die Autoren haben also eine unglaublich durchdachte und auch dichte Welt erschaffen.

Das Epos entsteht u.a. mithilfe eines Pen & Paper – Rollenspiels. Die Autoren haben es uns anläßlich der Leserunde etwas näher erklärt. Interessante Sache – kannte ich vorher ehrlich gesagt nicht (wie ich von Mitlesern erfahren habe, sind manche Bücher aus P&P nicht so angenehm zu lesen). Aber am Ende des Tages ist dieses Buch ein Buch, und zwar ein wirklich mitreißendes Exemplar seiner Gattung.

Wer eine fluffige Lektüre für einen Abend auf der Couch oder mal eben in der Hängematte mit Pina Colada sucht, wird hier an seine Grenzen stoßen. Es empfiehlt sich schon das Ganze in Ruhe und mit einem gerüttelt Maß an Disziplin anzugehen. Wer gewillt ist das zu tun, wird mit einem wirklich tollen Auftakt eines High Fantasy Epos belohnt.

Es gefällt mir sehr gut, dass sich das Buch an das Römische Reich anlehnt – hatte ich schon ewig nicht mehr. Viele Fantasy-Welten ähneln ja Mittelerde (was ich nicht schlimm finde und auch ausdrücklich mag), aber dies ist mal wieder etwas anderes.

Das Buch beginnt spektakulär – man wird sofort in eine Szene geworfen, in der es um Leben oder Tod geht. Thorn ist ein Waldläufer und rettet seine Freundin – eine Elfin-  als sie während einer Schlacht schwer verwundet wird. Hilfe erfährt er durch Rosmerta, eine Halbelfin, welche selbst ein Auge auf Thorn geworfen hat. Es herrscht gerade Krieg aufgrund von Sklavenaufständen. Thorns Bemühungen seine Freundin zu retten schlagen fehl – ein weiterer Schicksalsschlag, nachdem er bereits einmal eine Geliebte verloren hat.

Rosmertas Begierde Thorn zu verführen schlägt aufgrund seiner Zurückweisung schnell in puren Hass um, den sie ihn auch bei jeder sich bietenden Gelegenheit spüren läßt.  Die beiden sind Testaceus unterstellt – dem Senator und späteren Imperator vom Valianischen Reich.  Er hat die beiden einst damit beauftragt bestimmt Valians Zepter von einem Priesterorden zu stehlen. Kurz darauf wird es ihm wieder von Unbekannten entwendet und er entsendet  Thorn, Telos, Bargh und die mysteriöse Chara um die Insignie zurück zu erobern.

Gewürzt wird das die Handlung durch kleine Botschaften, deren Sender und Empfänger wir nicht kennen und durch Rückblicke einer auch nicht bekannten Person. Hier finden sich aber bereits Hinweise darauf, dass die Pro-/ und Antagonisten nur kleine Darsteller in einem großen Schachspiel sind. Wer möchte kann während des Lesens  Spekulationen über Gut und Böse anstellen und wird überrascht sein, was sich bewahrheitet oder eben nicht. Da ich dieses Buch anläßlich einer sehr schönen Leserunde lesen durfte, haben wir natürlich innerhalb der Abschnitte sehr viel gemutmaßt. Ich war sehr erstaunt, wie unterschiedlich die Meinungen z.B. zu verschiedenen Charakteren oder Handlungen sind. Dadurch wird meiner Meinung nach auch nochmal die Tiefe und Dichte des Buches deutlich. Scheinbar liest jeder dieses Buch auf seine Weise und zieht für sich eigene Schlüsse. Es gibt nicht immer ein richtig oder falsch.

Die Gefährten begeben sich also auf ihre Reise. Wir haben es hier nicht mit den typischen, unfehlbaren Helden zu tun – das wäre auch langweilig und würde nicht den Stoff  für eine ganze Reihe bieten. Jeder von ihnen hat sein kleines oder großes Päckchen zu tragen. Wie groß oder klein, läßt sich noch gar nicht sagen. Es ist also keine Friede-Freude-Eierkuchen-Reisegesellschaft, da blitzt auch hier und da mal eine Spitzfindigkeit mit einer gehörigen Portion Sarkasmus durch.

Im Laufe der Reise werden die Gefährten mit zahlreichen Problemen konfrontiert.  Hier sollte man jetzt aber nicht an Aufgaben à la Indiana Jones denken – die gestellten Probleme sind teilweise real, teilweise auch ideologischer Natur. Es kristallisiert sich dabei immer mehr heraus, dass es sich bei der Truppe um eine relativ inhomogene und dadurch sehr explosive Mischung handelt. Die Gefährten  – aber auch der Leser – gehen durch einige Wechselbäder der Gefühle.

Insgesamt wird in diesem Band die Magie noch recht dosiert eingesetzt – sie ist vorhanden und macht sich dann und wann bemerkbar, aber erschlägt den Leser nicht. Das hat mir persönlich recht gut gefallen. Insgesamt hatte ich immer das Gefühl, dass alles so passt wie es geschrieben steht.

Über den Schluß möchte ich jetzt mal gar nichts sagen – außer: zum Glück liegt Band 2 schon in Reichweite. Etwas Wartezeit wäre durchaus erträglich (da man alles auch mal sacken lassen muss), aber diese Welt hat mich definitiv in ihren Bann gezogen.

 

 

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